Eine Hand zeigt auf ein Tablet, auf dem die chemische Formel für Radon (zusammegesetzt aus den Buchstaben Rn und der Ordnungszahl 86) abgebildet ist,

Was ist Radon?

Radon ist ein Gas, das auf natürliche Weise im Boden entsteht und überall vorkommt. Es ist in kleinsten Mengen in der Luft enthalten. Man kann Radon nicht sehen, riechen oder schmecken. Als Edelgas verbindet es sich nicht mit anderen Stoffen und ist daher sehr beweglich. Außerdem ist Radon radioaktiv.

Radioaktiv bedeutet, dass die Atomkerne von Radon nicht stabil sind. Sie zerfallen in sogenannte Folgeprodukte (auch „Zerfallsprodukte“) und senden dabei energiereiche Strahlung aus. Die meisten der Folgeprodukte sind genau wie Radon radioaktiv. Allerdings sind sie im Gegensatz zu Radon keine Edelgase mehr und binden sich deshalb in der Luft sehr schnell an Schwebeteilchen wie zum Beispiel Staub.

Der Ursprung von Radon liegt im Erdboden und im Gestein. Diese setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Grundsätzlich findet man im Erdboden oder Gestein nahezu alle chemischen Elemente, darunter auch Uran. Gesteine und Böden können, abhängig von ihrer Entstehungsgeschichte, sehr unterschiedliche Mengen Uran (insbesondere Uran-238) enthalten.

Wie wird der radioaktive Zerfall gemessen?
Die Menge der radioaktiven Zerfälle pro Zeit wird als Aktivität bezeichnet. Sie wird in der Einheit Becquerel (Bq) gemessen. 1 Bq entspricht dabei genau einem radioaktiven Zerfall pro Sekunde. Für das Gas Radon gibt man typischerweise an, wie viele Atomkerne in einem Kubikmeter Luft zerfallen (Bq/m³).

Uran-238 ist radioaktiv, das bedeutet, es zerfällt und wandelt sich dabei in andere Stoffe um. So entsteht aus Uran-238 über mehrere Zwischenschritte zunächst Radium-226 und dann Radon-222.

Ablauf der Zerfallsreihe von Uran-238 über Th-234 zu U-234, Th-230, Ra-226, Rn-222, Po-218, Pb-214, Bi-214, Po-214, Pb-210, Bi-210 und Po-210 bis zu Pb-206

Als Edelgas ist Radon an keine anderen Stoffe gebunden und sehr beweglich. Es löst sich vom Rest des Gesteins, wird in Poren und Klüfte freigesetzt und ist damit Teil der Bodenluft. Je mehr Uran im Boden enthalten ist, desto mehr Radon befindet sich in der Bodenluft. Durch Poren und Risse im Boden dringt das Radon an die Erdoberfläche. Hier vermischt es sich mit der Außenluft. Im Gegensatz zu den anderen Bestandteilen der Atemluft, wie etwa Sauerstoff, macht Radon allerdings nur einen winzigen Anteil aus.

Wo Radon vorkommt

Nachdem das Radon die Erdoberfläche erreicht hat, wird es im Freien durch die ständigen Luftbewegungen schnell verteilt und mit Frischluft verdünnt. Im Jahresdurchschnitt liegt die Aktivitätskonzentration von Radon im Freien in Deutschland gewöhnlich zwischen 5 und 30 Becquerel pro Kubikmeter Luft.

Neben der Zusammensetzung des Bodens beeinflussen auch Witterungsfaktoren wie Niederschlag, Wind oder Temperatur die Menge an Radon, die aus dem Boden in die Außenluft abgegeben wird. Das bedeutet, dass die Aktivitätskonzentration von Radon in der Luft im Verlauf eines Tages, bzw. eines Jahres, stark schwanken kann.

Radon gelangt über undichte Stellen in Fundament oder Kellermauern, Kabel- und Rohrdurchführungen direkt aus der Bodenluft in das Gebäude. Sind die Räume im Keller- oder Erdgeschoss schlecht belüftet, kann sich das radioaktive Gas dort ansammeln.

In allen Häusern gibt es Radon in der Luft. Die mittlere Aktivitätskonzentration von Radon in Wohnungen in Deutschland liegt bei etwa 50 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Wenn im Boden sehr viel Radon entsteht oder das Gas leicht in das Gebäude eindringt, kann dieser Wert allerdings auch bei einigen hundert bis wenigen tausend Becquerel pro Kubikmeter liegen. Dabei wird die Menge an Radon in einem Gebäude durch drei Faktoren bestimmt:

  • die Radonkonzentration im Boden,
  • die Dichtheit des Gebäudes gegenüber dem umgebenden Boden,
  • der Austausch von Innenraumluft durch Außenluft. Dieser wird beeinflusst sowohl durch die Luftdichtheit des Gebäudes als auch durch das Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner bzw. Nutzerinnen und Nutzer.

Radon ist von Ort zu Ort und von Gebäude zu Gebäude unterschiedlich. Deshalb kann man die Radonkonzentration in Innenräumen nur durch eigene Messungen bei sich zu Hause oder am Arbeitsplatz sicher bestimmen.

Radon ist sehr leicht in Wasser löslich und ist deshalb auch im Grundwasser enthalten. Bei der Trinkwasseraufbereitung im Wasserwerk und während der Verteilung verflüchtigt sich der größte Teil davon wieder in die Luft. Gemäß Trinkwasserverordnung gilt für Radon im Trinkwasser ein Grenzwert von 100 Becquerel pro Liter. Dieser Grenzwert wurde bisher im Trinkwasser von NRW nicht überschritten. Das Wasser aus unseren Wasserhähnen enthält nur noch wenige Becquerel Radon pro Liter. Leitungswasser zu trinken und zu verwenden (z. B. zum Kochen oder Duschen) hat deshalb für die Aufnahme von Radon kaum eine Bedeutung. Es ist also ungefährlich, das Wasser zu nutzen und zu trinken.